Call for Papers – Abschlusstagung
Das deutsch-tschechische Kooperationsprojekt lädt mit seiner Abschlusstagung zur kritischen Reflexion, methodischen Weiterentwicklung und strategischen Vernetzung der Erforschung und Erhaltung spätmittelalterlicher Sakralkunst in grenzübergreifenden Kulturlandschaften ein. Im Zentrum steht die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die seit 2019 zum UNESCO-Welterbe zählt. In dieser historisch gewachsenen, durch den Bergbau geprägten Transformationslandschaft, lassen sich paradigmatisch die komplexen Verflechtungen von Rohstoffgewinnung, wirtschaftlicher Dynamik, Frömmigkeitskultur, urbaner Entwicklung und künstlerischer Produktion im späten Mittelalter erforschen. Die außergewöhnlich dichte Überlieferung spätmittelalterlicher Holzbildwerke und Tafelmalereien stellt ein kulturhistorisches Schlüsselmaterial zur Untersuchung vormoderner Transfer- und Austauschprozesse im mitteleuropäischen Raum dar. Das o.g. Kooperationsprojekt der Hochschule für Bildende Künste Dresden und der Region Ústí, gefördert im Rahmen des Programms „INTERREG Sachsen–Tschechien 2021–2027“ und kofinanziert von der Europäischen Union, baut auf einer seit 2018 bestehenden deutsch-tschechischen Zusammenarbeit auf. Im Ergebnis dreier Projektphasen wurden systematische grenzübergreifende Objekterfassungen durchgeführt und die interdisziplinäre Forschungsdatenbank arsligni.org aufgebaut. Die Plattform dokumentiert derzeit über 420 Kunstwerke aus Sachsen und Nordböhmen und verknüpft dabei historische und stilkritische Objektforschung sowie kunsttechnologische und restauratorische Untersuchungen systematisch miteinander.
Zum Projektabschluss zielt die Tagung darauf ab, die deutsch-tschechische Zusammenarbeit nachhaltig zu verankern, gemeinsame wissenschaftliche und konservatorische Standards zu stärken und Impulse für zukünftige Forschungs- und Erhaltungsinitiativen in grenzübergreifenden Kulturräumen zu setzen.
Zur geplanten Abschlusstagung des Projektes sind Fachbeiträge aus den Gebieten der Geschichte, Kunstgeschichte, Kunsttechnologie sowie der Museums- und Denkmalpflege willkommen. Im Fokus soll insbesondere der interdisziplinäre Zugriff stehen, der wechselseitig historische, kunsthistorische, kunsttechnologische und konservatorische Perspektiven für und mit den spätmittelalterlichen Objekten entwickelt. Die Bildwerke können so gleichsam identitätsstiftend und überregional verbindend das kulturhistorische Gedächtnis abbilden, bewahren und vermitteln. Erwünscht sind Beiträge, die auf Grundlage unterschiedlicher methodischer Ansätze neue Erkenntnisse zu Produktionsbedingungen, künstlerischen Transferprozessen und Nutzungszusammenhängen im vor- und nachreformatorischen Kontext gewinnen. Besonderes Augenmerk liegt dabei weniger auf einer isolierten Betrachtung der Montanregion Erzgebirge als vielmehr auf deren Einbindung in übergreifende europäische Austauschprozesse in Grenzräumen, die zugleich Modellcharakter für andere Kulturlandschaften des Mittelalters besitzen können.
Besonders willkommen sind Beiträge mit vergleichender Perspektive sowie solche, die methodische Innovationen, strukturelle Herausforderungen, Forschungsdesiderate oder institutionelle Rahmenbedingungen kritisch reflektieren. Interdisziplinäre Beiträge von Fachkolleg:innen und Wissenschaftler:innen aus den Kunst- und Kulturwissenschaften, den Geschichtswissenschaften, der Kunsttechnologie, der Konservierung und Restaurierung, der Denkmalpflege und Kunstguterhaltung sowie der Museums- und Sammlungspflege sind ausdrücklich erwünscht.
Die Abschlusstagung zieht jedoch nicht nur Bilanz. Sie versteht sich vielmehr als wissenschaftlicher Diskussionsraum für übergreifende Fragestellungen zu Forschung, Praxis und Verantwortung gegenüber dem historischen Erbe. Die angefragten Beiträge können u.a. folgende Aspekte abbilden:
- Wie lassen sich historische, kunsthistorische, technologische und denkmalpflegerische Perspektiven zu einem integrativen Verständnis spätmittelalterlicher Sakralkunst in der Montanregion Erzgebirge verbinden?
- Welche gemeinsamen Forschungsfragen ergeben sich aus der geteilten Geschichte des Bergbaus, der Frömmigkeitskultur und der künstlerischen Produktion beidseits der heutigen Grenze und wie tragen sie zur gegenseitigen Verständigung im europäischen Raum bei?
- Wie lassen sich historische Quellen, stilistische und materielle Befunde sowie restauratorische Erkenntnisse miteinander verbinden, um differenziert Wechselwirkungen zwischen vorreformatorischer Wirtschaft, Gesellschaft und Kunstproduktion zu rekonstruieren?
- Wie können Dokumentation, digitale Werkzeuge und analoge Forschungsformate zur nachhaltigen Sicherung, wissenschaftlichen Erschließung und öffentlichen Vermittlung grenzübergreifenden Kulturerbes beitragen?
Wir bitten um Bewerbungen mit einem kurzen Exposé (max. 3.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) und Arbeitstitel in deutscher oder tschechischer Sprache sowie Angaben zu Ihrer Person (Name, Kontaktdaten, Kurzvita) bis spätestens 30. Juni 2026 per E-Mail an: huhn@hfbk-dresden.de
Die Referate sollen eine 25-minütige Redezeit nicht überschreiten. Die Beiträge werden nicht honoriert, jedoch erhalten die Referent:innen eine Erstattung der Übernachtungs- und Fahrtkosten für eine Person. Es wird keine Tagungsgebühr erhoben. Tagungssprachen sind Deutsch und Tschechisch; eine Simultanübersetzung wird während der gesamten Veranstaltung gewährleistet.