Archäologie und Forstwirtschaft im Dialog: MonuWoods startet

Am Montag, dem 5. Oktober 2026 fand das erste Treffen des MonuWoods-Projektes beim Leadpartner im Landesamt für Archäologie Sachsen in Dresden statt. Auf der Agenda standen neben Organisatorischem die Herausforderungen beim Schutz archäologischer Denkmäler in bewaldeten Gebieten sowie die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der archäologischen Denkmalpflege und Forstwirtschaft in Sachsen und Böhmen. Beteiligt waren neben dem LfA die Partner Montanregion Krušné hory – Erzgebirge, o.p.s., das Ústav archeologické památkové péče severozápadních Čech (ÚAPP), das Národní památkový ústav (NPÚ) der Staatsbetrieb Sachsenforst sowie die Professur für Waldwachstum und Dendrowissenschaften der Technischen Universität Dresden.
Im sächsischen Erzgebirge ist die Zahl der bekannten archäologischen Denkmäler durch neue digitale Erfassungsmethoden zwischen 2018 und 2025 um rund 90 Prozent gestiegen. Gleichzeitig können forstwirtschaftliche Maßnahmen wie Wegebau, die Anlage von Rückegassen und Polterplätzen sowie die Schaffung von Kleinstgewässern archäologische Strukturen gefährden. Die Erfassung und Bewertung der Denkmäler bilden die Grundlage für denkmalrechtliche Schutzmaßnahmen. Das sächsische Denkmalschutzrecht unterscheidet zwischen Einzel- und Flächendenkmälern, sieht jedoch keine generelle Priorisierung vor. Auf dieser Grundlage können Schutzauflagen erlassen werden. Dass die enge Abstimmung zwischen Archäologie und Forstwirtschaft tragfähige Lösungen ermöglicht, zeigt das Waldgebiet Vorderer Grünwald bei Schönfeld: Dort haben gemeinsam geplante Rückegassen und geländeschonende Eingriffe zum Schutz einer mittelalterlichen Bergbausiedlung beigetragen.
Auch im böhmischen Erzgebirge liegen zahlreiche Relikte des historischen Bergbaus in Waldgebieten mit unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen. Das tschechische Denkmalschutzsystem unterscheidet zwischen Flächendenkmälern, darunter Gebiete des UNESCO-Welterbes, und einzelnen Kulturdenkmälern, für deren Schutz die Eigentümer verantwortlich sind. Zudem können „Wälder mit besonderer Bestimmung“ ausgewiesen werden. Da die Ausweisung neuer Einzeldenkmäler aufwendig ist und bestehende Schutzmöglichkeiten bislang nur begrenzt genutzt werden, besteht die Herausforderung darin, archäologische Denkmäler zu bewahren und zugleich die Anforderungen der Forstwirtschaft in großflächigen Bergbaugebieten zu berücksichtigen
MonuWoods entwickelt und erprobt ein gemeinsames Abstimmungs- und Konsultationsverfahren für Sachsen und Böhmen. Dabei sollen die unterschiedlichen denkmalrechtlichen Systeme und Zuständigkeiten berücksichtigt und die Zusammenarbeit zwischen Archäologie, Forstwirtschaft und Waldeigentümern gestärkt werden. Aufbauend auf den Erfahrungen des Vorgängerprojekts ArchaeoTin sollen weitere bislang nicht verifizierte archäologische Relikte erfasst und durch naturwissenschaftliche Datierungen sowie minimalinvasive Prospektionen näher bestimmt werden.
Geplant sind außerdem praxisorientierte Schulungen in Sachsen und Tschechien, ein kompakter Leitfaden für die Forstwirtschaft und ein Studienmodul der TU Dresden. Diese Maßnahmen sollen das Wissen angehender ForstwirtschaftlerInnen und -wissenschaftlerInnen über archäologische Denkmäler im Wald vertiefen und denkmalgerechte Vorgehensweisen im forstwirtschaftlichen Alltag fördern. Ziel ist es, durch grenzübergreifenden Austausch langfristig praktikable Lösungen zum Schutz des gemeinsamen archäologischen Kulturerbes im Erzgebirge zu entwickeln.