Fachlicher Austausch mit der Landestalsperrenverwaltung (LTV) am HRB Friedrichswalde-Ottendorf
Im Rahmen des Projekts BIBOB fand am 16.04.2026 ein Ortsbegehung am Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Friedrichswalde-Ottendorf statt. Gemeinsam mit Vertretern der Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) – Herr Amani (Betriebsteilleiter Stauanlagen des Betriebs Oberes Elbtal) und Herr Hinz (Staumeister der Talsperre Gottleuba) – wurden die Auswirkungen der lokalen Biberpopulation auf die wasserbauliche Infrastruktur erörtert.

Hydraulische Herausforderungen durch Schwemmgut
Das HRB Friedrichswalde-Ottendorf weist durch den Zufluss der Bahre ein verhältnismäßig großes Einzugsgebiet auf. Der Landschaftspflegeverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zählte in seinem letzten Monitoring insgesamt 13 Biberdämme oberhalb der Stauwurzel des Beckens. Aus Sicht der LTV ergeben sich daraus spezifische betriebliche Risiken:
- Mobilisierung von Totholz: Hochwasserereignisse können dazu führen, dass Biberdämme der hydraulischen Belastung nicht mehr standhalten und teilweise zerstört werden. Dabei losgelöste Zweige und Äste werden dann als Schwemmgut in Richtung des Dammdurchlasses transportiert und können potentiell Schäden verursachen.
- Zusetzen der Rechenanlagen: Kritisch sind in diesem Zusammenhang insbesondere kleinere oder häufig wiederkehrende Hochwasserszenarien. Da hier noch keine vollständige Überstauung vorliegt, erfolgt kein Druckabfluss durch die Vorentlastung. Schwemmgut an der Wasseroberfläche kann so den Vorlaufrechen vor dem Durchlass blockieren und die gewöhnliche Dammentlastung signifikant einschränken.
Standsicherheit und operative Maßnahmen
Ein weiterer Fokus des Gesprächs lag auf der Grabungsaktivität von Bibern. Frühere Aktivitäten im Retentionsbecken konzentrierten sich auf die Anlage von Hohlräumen in den Uferbereichen. Diese stellen in mehrfacher Sicht ein Gefahrenpotenzial dar:
- Arbeitssicherheit: Einbruchgefahr für Mitarbeiter der LTV bei Wartungs- und Kontrollgängen.
- Erosionsgefahr: Erhöhtes Risiko von Uferinstabilitäten bei Überstauung (besonders bei Hochwasserereignissen).
Lösungsansätze und innovative Detektionsmethoden
In der Diskussion wurden verschiedene Strategien zur Risikominimierung erörtert. Ein technischer Ansatz könnte in der mechanischen Sicherung der Biberdämme bestehen (z. B. durch Drahtnetze oder Holzpflöcke), um deren Stabilität zu erhöhen und damit das Schwemmgutmenge bei Hochwasserereignissen zu reduzieren.
Zudem wird im Rahmen des Projekts BIBOB die Detektion von Makrohohlräumen mittels Infrarotmesstechnik verfolgt. Die Eignung dieses Verfahrens zur frühzeitigen Identifizierung von Biberbauen in den Uferbereichen des HRB wurde bereits Ende März testweise erprobt und im Rahmen des Meetings eine Fortführung der Messungen diskutiert.
Ausblick
Am Ende des Treffens bekräftigten beide Seiten ihr Interesse an einem fortlaufenden Austausch. Der enge Kontakt mit der LTV sowie weiteren lokalen Behörden im Projektgebiet ist essenziell, um die hydrologischen Potenziale von Biberansiedlungen mit den Sicherheitsanforderungen kritischer wasserbaulicher Infrastrukturen in Einklang zu bringen.





