Grubenwässer, Klimawandel und naturnahe Technologien: Das Projekt MiReCC brachte Fachleute in Karlsbad zusammen
Wie verändert sich das Verhalten von Grubenwässern bei Starkregen und anhaltender Trockenheit? Und können natürliche Prozesse zu ihrer Reinigung beitragen? Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns auf der internationalen Konferenz des Projekts MiReCC, die am 22. und 23. Oktober 2026 im Gebäude der Regionalverwaltung der Region Karlovy Vary stattfand. Das Treffen tschechischer und sächsischer Fachleute führte Erkenntnisse aus der Hydrologie, Mikrobiologie und Sanierung historischer Bergbaugebiete zusammen.

Das Erzgebirge hat eine gemeinsame Bergbaugeschichte, aber auch ökologische Altlasten, die nicht an der Staatsgrenze enden. Aus alten Bergbauhalden können Metalle und andere Schadstoffe freigesetzt werden. Starke Regenfälle können deren Auswaschung beschleunigen, während Trockenperioden zu höheren Schadstoffkonzentrationen im Wasser führen können. Genau diese Zusammenhänge untersuchen wir im Projekt MiReCC gemeinsam mit der Česká geologická služba und dem sächsischen Unternehmen G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH.
„Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie der Klimawandel die Ausbreitung von Schadstoffen aus ehemaligen Bergbaugebieten beeinflusst. Deshalb verbinden wir Untersuchungen des Wassers, der Mikroorganismen und der geologischen Bedingungen mit der praktischen Erprobung von Reinigungsverfahren“, erklärt Veronika Hlaváčková vom CXI TUL, die wissenschaftliche Leiterin des Projekts.
Natürliche Prozesse als Teil der Lösung
Einen wesentlichen Teil der Konferenz widmeten wir der passiven Reinigung von Grubenwässern, bei der natürliche chemische und biologische Prozesse genutzt werden. Eberhard Janneck von G.E.O.S. stellte die Möglichkeiten dieser Technologien im Erzgebirge vor. Passive Reinigungsverfahren können insbesondere für Standorte geeignet sein, an denen der Betrieb konventioneller Technologien mit hohem Aufwand verbunden wäre. „Entscheidend ist, ein Verfahren zu wählen, das auf die Wasserzusammensetzung und die örtlichen Bedingungen abgestimmt ist“, sagt Janneck.
Alena Ševců vom CXI TUL berichtete anschließend über Erfahrungen mit einem künstlichen Feuchtgebiet am Standort Hájek im Erzgebirgsvorland. Dort wird eine im Rahmen des Projekts LIFEPOPWAT entwickelte Technologie eingesetzt, um chlororganische Verbindungen aus kontaminiertem Wasser zu entfernen.
Weitere Beiträge beschäftigten sich mit Mikroorganismen und ihrer Rolle bei der Reinigung von Grubenwässern. Vira Velianyk stellte Untersuchungen mikrobieller Gemeinschaften in einem ehemaligen Gold- und Kupferbergwerk vor. Veronika Hlaváčková erläuterte die Möglichkeiten, das Bakterium Thiomonas sp. zur Verringerung der Toxizität von Arsen einzusetzen.
Der zweite Teil des Fachprogramms konzentrierte sich auf die Auswirkungen des Klimawandels. Dessen Einfluss auf den Wasserhaushalt hängt auch von den geologischen Bedingungen des jeweiligen Standorts ab. Deshalb ist es wichtig, langfristige Messreihen mit detaillierten Kenntnissen der örtlichen Gegebenheiten zu verbinden. René Kahnt von G.E.O.S. beschäftigte sich mit dem Wasserhaushalt von Bergbauhalden und dessen Bedeutung für Sanierungsmaßnahmen. Anna Lamačová von der Česká geologická služba stellte Veränderungen der Quellschüttungen unter unterschiedlichen hydrogeologischen Bedingungen vor. Jakub Hruška berichtete über aktuelle Probenahmen an sauren Grubenwasseraustritten im Erzgebirge.
Von der Konferenz nach Horní Slavkov
Am zweiten Konferenztag fand eine Fachexkursion nach Horní Slavkov statt. Dort bereiten wir im Rahmen des Projekts MiReCC eine Pilotanlage zur naturnahen Reinigung von Grubenwässern vor. Die Anlage kombiniert die Regulierung des pH-Werts mithilfe von Travertin, den Einsatz von Mikroorganismen und eine anschließende Nachbehandlung mithilfe von Pflanzen. Ziel des Experiments ist es, die Wirksamkeit der einzelnen Verfahren bei der Rückhaltung von Metallen und weiteren Schadstoffen zu untersuchen.
Die Erkenntnisse aus dem Monitoring, den Laboruntersuchungen und den Pilotversuchen auf tschechischer und sächsischer Seite des Erzgebirges werden wir für die Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie zum Management und zur Sanierung von Gebieten nutzen, die durch den historischen Bergbau belastet sind.





