Großübung am Quirl
Eine weithin sichtbare Rauchwolke über dem Tafelberg Quirl in der Gemarkung Königstein hat am Sonnabendmorgen ein Großaufgebot an Rettungskräften auf den Plan gerufen. Was täuschend echt wirkte, war ein anspruchsvolles Übungsszenario: Insgesamt 80 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bergwacht probten rund acht Stunden lang das gemeinsame Vorgehen bei einem simulierten Waldbrand in schwierigem Gelände. Das Besondere: Es handelte sich um eine INTERREG-Übung der Gemeinde Gohrisch, bei der deutsche und tschechische Brandschützer Hand in Hand arbeiteten, um die neuen Gohrischer Waldbrandmodule im scharfen Einsatz zu testen. Die Feuerwehr Königstein fungierte dabei quasi als Nutznießer, auf deren Gebiet das Szenario erprobt werden konnte.

Gohrisch als Hauptakteur – Breites Bündnis der Retter am Pfaffenstein
Ausgearbeitet wurde die komplexe Großübung federführend durch den Gohrischer Gemeindewehrleiter Philipp Gemser gemeinsam mit Michael Lehmann, dem stellvertretenden Kreisbrandmeister und Gesamteinsatzleiter. Auf dem Bereitstellungsplatz am Parkplatz Pfaffenstein in Pfaffendorf wurde ein beachtliches Aufgebot zusammengezogen. Hauptakteur war die Gemeindefeuerwehr (Gfw) Gohrisch, unterstützt durch die Ortsfeuerwehren (OTF) Kleingießhübel, Schöna und Rosenthal sowie die Stadtfeuerwehr (Sfw) Königstein. Als internationaler Partner brachte sich die tschechische Feuerwehr JSDH Kytlice aktiv ein. Komplettiert wurde das Feld durch die Höhenrettungsgruppe (HRD) der Freiwilligen Feuerwehr Heidenau, die Bergwacht Sebnitz, das DRK Sebnitz mit einer Drohnengruppe, die mobile Führungsunterstützung Bad Gottleuba sowie mehrere Kreisbrandmeister (KBM) des Landkreises.
Neue Waldbrandmodule und Höhenrettung am Steilhang
Im Zentrum der Übung stand die praktische Erprobung des neuen Waldbrandanhängers der Gemeinde Gohrisch. Auf dem Plateau des Quirls wurden die modularen Waldbrandelemente der Gohrischer Wehr in enger Kooperation mit den tschechischen Kameraden aus Kytlice auf Herz und Nieren getestet. Die grenzübergreifende Anforderung der tschechischen Hilfe war bereits am Vortag erfolgreich theoretisch durchgespielt worden. Da sich das angenommene Brandereignis bis in die extrem steilen und absturzgefährdeten Randbereiche des Quirl-Plateaus erstreckte, kam zudem die Höhenrettung aus Heidenau in enger Zusammenarbeit mit der Bergwacht Sebnitz am Steilhang zum Einsatz.
Logistische Meisterleistung: 1.100 Meter lange Schlauchleitung
Eine Kernaufgabe bei Waldbränden in der Sächsischen Schweiz ist das Heranschaffen von ausreichend Löschwasser. Ziel der 80 Retter war es, über mindestens zwei Stunden hinweg eine kontinuierliche Wassermenge von mindestens 800 Litern pro Minute auf den Berg zu fördern. Unter der Leitung des Einsatzabschnitts Wasserversorgung wurde dafür eine rund 1.100 Meter lange Schlauchstrecke aufgebaut, die das Löschwasser vom Cunnersdorfer Bach über eine enorme Distanz und Höhenmeter hinweg bis hinauf in das Quirlgebiet transportierte.
Premiere für den Katastrophenschutz-Einsatzleitwagen aus Langburkersdorf
Die Koordination der verschiedenen Abschnitte – von der Brandbekämpfung über die Wasserversorgung bis hin zur Logistik – erfolgte über eine mobile Führungsstruktur. Die Übung diente gleichzeitig als offizielle Auftaktübung und erfolgreiche Inbetriebnahme für den neuen Katastrophenschutz-Einsatzleitwagen (KatS ELW 2) des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der von der Ortsfeuerwehr Langburkersdorf besetzt und zum Quirl gebracht wurde. Unterstützt wurde die Einsatzleitung aus der Luft: Die Drohnengruppe des DRK Sebnitz übermittelte hochaufgelöste Live-Bilder direkt in den Langburkersdorfer ELW 2, wo sie zur präzisen Lageerkundung interpretiert wurden.
Erfolgreiches Fazit nach acht Stunden
Gegen 15:00 Uhr konnte die aufwendige Übung erfolgreich beendet werden. In einer anschließenden Kurzauswertung vor Ort zeigten sich die Verantwortlichen um Philipp Gemser und Michael Lehmann hochzufrieden mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen sowie dem reibungslosen binationalen Miteinander. Während der gesamten Übungsdauer war der Grundschutz für reale Einsätze in der Region durchgehend sichergestellt. Die gesammelten Praxiserfahrungen und eine detaillierte Schwachstellenanalyse fließen nun direkt in die Finalisierung des offiziellen Einsatzplanes für das Quirlgebiet ein.



