EU-Projektausstellung ZINN & SEIN in der Zinngrube Ehrenfriedersdorf wieder geöffnet ab 05. September 2026
Ab Samstag, den 5. September, zeigt das Museum der Zinngrube Ehrenfriedersdorf erneut und bis auf Weiteres die Ausstellung „ZINN & SEIN. Eine archäologische Spurensuche im Erzgebirge“. Die Präsentation ist einer der Höhepunkte im sächsisch-böhmischen Forschungsprojekt „ArchaeoTin. Archäologie im Welterbe – Zinnbergbaulandschaften“ und war bereits von Mitte November 2025 bis Ende Juni 2026 in Ehrenfriedersdorf und im Regionalmuseum Teplice in Tschechien zu sehen. An beiden Standorten erlebten viele Tausend Besucherinnen und Besucher eine modular und multimedial inszenierte Ausstellung, die Forschungsergebnisse des ArchaeoTin-Projektes in größere regionale bis internationale kulturgeschichtliche Zusammenhänge einbettet. Zur Wiedereröffnung in Ehrenfriedersdorf fasst die Leiterin des ArchaeoTin Projektes, Dr. Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie Sachsen, die wichtigsten Ergebnisse zusammen und zieht nach dreijähriger Projektarbeit eine Bilanz. Der Betriebsleiter der Zinngrube Ehrenfriedersdorf, Erik Ahner, stellt außerdem aktuelle Planungen für das Museum vor. Dazu zählen eine zeitgemäße Präsentation der einmaligen Lagerstättensammlung der Zinngrube sowie eine Sonderausstellung zum Thema „Wasser.Kraft im Bergbau – eine Energiequelle im Wandel der Zeit“.

Das Erzgebirge birgt mit seinen großen Zinnlagerstätten bis heute für Zentraleuropa einen Schatz, der bereits vor 4.000 Jahren Menschen angespornt hat, hier Zinnbergbau zu betreiben. Sächsische Montanarchäologen entdeckten vor einigen Jahren in einer Zinnseife bei Schellerhau im Osterzgebirge den ersten archäologischen Nachweis hierfür. Das daraufhin entwickelte ArchaeoTin-Projekt verfolgte unter der Leitung des Landesamtes für Archäologie Sachsen mehrere Ziele: den bronzezeitlichen Bergbau auch an anderen Standorten im sächsisch-böhmischen Erzgebirge nachzuweisen und neue Erkenntnisse zum übertägigen Abbau von Zinnseifen im Mittelalter und der frühen Neuzeit zu erhalten sowie die Untersuchungen in den Zinnbergbaulandschaften des UNESCO Welterbes „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ möglichst mithilfe zerstörungsfreier Methoden durchzuführen.
Die Ausstellung „ZINN & SEIN. Eine archäologische Spurensuche im Erzgebirge“ zählt zu den wichtigsten Zielen und erfolgreichsten Ergebnissen des ArchaeoTin-Projektes. In insgesamt fünf Bereichen werden dessen Forschungsergebnisse vorgestellt und in größere gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftshistorische Zusammenhänge gestellt. Unter anderem thematisieren interaktive Medienstationen die Entstehung des Erzgebirges und der Zinnlagerstätten sowie die faszinierende Welt der Forschungsmethoden. Ebenso anschaulich und nachvollziehbar präsentiert werden die vielfältigen Beziehungen zwischen Zinn und Mensch entlang der Wertschöpfungskette bis zum finalen Handelsprodukt und die wirtschaftliche Bedeutung des Zinnhandels für die Entwicklung neuer sozialer und wirtschaftlicher Macht- und Handelsstrukturen in der Bronzezeit und im Spätmittelalter.
Mit Zahlen zum aktuellen weltweiten Zinnbedarf, Abbau und dem Thema Zinnrecycling schlägt die Ausstellung im Epilog noch einmal den Bogen in die Gegenwart und Zukunft. Sie dient damit dem Anspruch von ArchaeoTin, als einem Projekt von strategischer Bedeutung, das neben der grenzübergreifenden Zusammenarbeit die touristische Attraktivität der Welterberegion Erzgebirge und auch das öffentliche Bewusstsein für die dort bis heute lagernden wertvollen Rohstoffe fördert.
Über 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Fachdisziplinen und von insgesamt sieben Projektpartnern aus Sachsen, Tschechien und Bayern forschten über einen Zeitraum von drei Jahren zum prähistorischen und historischen Zinnbergbau. Neben dem Landesamt für Archäologie Sachsen als Leadpartner waren dies das Institut für archäologische Denkmalpflege Nordwestböhmens Most, das Institut für Vor- und frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, das Institut für Waldwachstum und forstliche Informatik der Technischen Universität Dresden, das Institut für Archäologie und Museologie der Masaryk-Universität Brünn sowie das Museum Zinngrube Ehrenfriedersdorf und das Regionalmuseum in Teplice für die Entwicklung und Umsetzung der „ZINN&SEIN“ Ausstellung.Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Begleitband erschienen, der für 19€ im Museumsshop der Zinngrube erworben werden kann. Zum Projektende von ArchaeoTin wird im Herbst 2026 ein Tagungsband mit 22 wissenschaftlichen Aufsätzen veröffentlicht, in denen die Forschungsergebnisse aller Projektpartner vorgestellt werden.
Das ArchaeoTin-Projekt wurde mit 3,5 Millionen Euro aus dem EU-Interreg Programm Sachsen-Tschechien aus EFRE-Mitteln gefördert.
Die Zinngrube Ehrenfriedersdorf ist Mitglied im Zweckverband Sächsisches Industriemuseum.
