Grenzenlose Visionen: Deutsche und tschechische Schülerinnen planen die Zukunft in Sebnitz
Während draußen der Alltag in der deutsch-tschechischen Grenzregion seinen gewohnten Gang ging, herrschte am 21. April 2026 im „Freiraum“ der Aktion Zivilcourage in Sebnitz kreativer Ausnahmezustand. Unter dem Titel „Zukunftswerkstatt“ kamen im Rahmen des Projekts CZ-D-Dialog junge Menschen zusammen, um nicht weniger als die Idealversion ihrer Heimat zu entwerfen. Doch statt vager Träumereien setzten die Teilnehmenden auf eine bewährte, dreistufige Methode, die Kritik in konkrete politische Forderungen verwandelt.

Den Frust als Treibstoff nutzen
Der Tag begann mit einer gezielten Sprachanimation. Ein „Icebreaker“-Spiel half dabei, die ersten Barrieren zwischen den Teilnehmenden abzubauen, bevor es ans Eingemachte ging. Nachdem in einem Kurzinput den Ist-Zustand der Region Sebnitz und Česká Kamenice skizziert wurde, startete die erste Phase der Zukunftswerkstatt: die Kritikphase.
Hier war ausdrückliches Meckern erwünscht. „Was läuft schlecht in der Region?“ und „Was stört im Alltag?“ lauteten die Leitfragen, die die Jugendlichen dazu brachten, den Finger in die Wunde zu legen. Fehlende Freizeitangebote, schlechte Verkehrsverbindungen oder mangelnde Perspektiven für junge Menschen – die gesammelten Defizite bildeten das ehrliche Fundament für alles, was folgen sollte.
Wenn Utopien Gestalt annehmen
Nach einer kurzen Pause wandelte sich die Stimmung. In der Fantasie- und Visionsphase wurden die Fesseln der Realität gesprengt. Die zentrale Aufgabe: Die Region neu zu denken. Ohne Rücksicht auf Budgetgrenzen oder bürokratische Hürden entwickelten die Gruppen Bilder einer perfekten deutsch-tschechischen Zusammenarbeit. In Kurzpräsentationen stellten sie Visionen vor, die von digital vernetzten Mobilitätslösungen bis hin zu lebendigen, grenzübergreifenden Jugendzentren reichten.
Der Weg zurück auf den Boden der Tatsachen
Doch eine Zukunftswerkstatt endet nicht beim Luftschlossbau. In der finalen Umsetzungsphase wurden die Teilnehmenden zurück in die Gegenwart geholt, um die Visionen auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen. „Welche Ideen können wir wirklich umsetzen?“ und „Wer kann helfen?“ waren nun die Kernfragen.
Dabei ging es nicht nur um graue Theorie: Die Jugendlichen erarbeiteten konkrete erste Schritte und identifizierten potenzielle Verbündete wie Schulen, Vereine oder EU-Förderprojekte. Besonders wichtig war hierbei die gezielte Vorbereitung auf einen geplanten Workshop mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern. Die Botschaft der Jugend ist klar: Wir haben Ideen – und wir wissen, wen wir brauchen, um sie umzusetzen.
Ein Wort für die Zukunft
Zum Abschluss der Veranstaltung, wurde in einer Reflexionsrunde Bilanz gezogen. In einem „Blitzlicht“ fassten die Teilnehmenden ihre Eindrücke in jeweils einem Wort zusammen. Es war ein Tag, der bewies, dass Kritik der beste Startpunkt für Veränderung ist, wenn man die richtige Methode im Gepäck hat. Die Ergebnisse der Werkstatt liegen nun auf dem Tisch – bereit, die regionale Politik herauszufordern.





