Grenzen verbinden: Kooperation, Identität und Perspektiven im europäischen Grenzraum
Vom 22. bis 24. Oktober 2026 fand in Ústí nad Labem unser vorletzter Workshop im Rahmen des sächsisch-tschechischen Projekts „re:demo – Dialog fördern und Gemeinschaft stärken / Podpora dialogu a posílení komunity“ statt. Studierende der Technischen Universität Dresden und der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem (UJEP) setzten sich gemeinsam mit Fragen europäischer Identität, grenzüberschreitender Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Herausforderungen und Potenziale europäische Grenzregionen prägen und welche Bedeutung der aktiven Beteiligung von Bürger:innen für ihre zukünftige Entwicklung zukommt.

Der Workshop begann am Donnerstagnachmittag mit einer gemeinsamen Eröffnung und einem interaktiven Kennenlernformat. Das Speeddating bot den Teilnehmer:innen Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und erste Kontakte für die Zusammenarbeit in deutsch-tschechischen Gruppen zu knüpfen. Im anschließenden Vortrag „Agency of Local People in the Context of Regional Transition in Borderlands“ beleuchtete Jan Píša (UJEP) die Rolle der lokalen Bevölkerung in regionalen Transformationsprozessen. Dabei stand insbesondere die Bedeutung gesellschaftlicher Akteure für die Entwicklung von Grenzregionen im Mittelpunkt.
In der anschließenden interaktiven Einheit „Mein Europa: Identität, Werte und Perspektiven“ beschäftigten sich die Studierenden mit der Frage, wo und wie Europa und die Europäische Union ihren Alltag prägen. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Crashkurs zur europäischen Integration mit Jakub Sádecký, der zentrale Entwicklungsschritte und institutionelle Grundlagen der Europäischen Union aufgriff.
Der Freitag begann mit einer kooperativen Gruppenübung, bei der die Teilnehmer:innen gemeinsam einen möglichst stabilen Turm aus Spaghetti errichten sollten. Die interaktive Aufgabe förderte Kommunikation, Kreativität und Teamarbeit und bildete zugleich einen Einstieg in die anschließende gemeinsame Projektarbeit. In deutsch-tschechischen Gruppen beschäftigten sich die Studierenden mit Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven europäischer Grenzregionen. Im Rahmen eines Brainstormings identifizierten sie zentrale Problemstellungen und diskutierten erste Ansätze für grenzüberschreitende Projekte. Diese Überlegungen dienten zugleich der Vorbereitung eines gemeinsamen Policy Papers, in dem ausgewählte Herausforderungen und mögliche Handlungsansätze aufgegriffen werden sollen.
Am Nachmittag führte eine Exkursion die Teilnehmer:innen nach Terezín/Theresienstadt. Unter dem Titel „Theresienstadt: Stadt der Erinnerung oder Stadt der Zukunft?“ beschäftigten sie sich mit der Geschichte des Ortes und der Frage, wie sich historische Erinnerung und gegenwärtige Stadtentwicklung miteinander verbinden lassen. Bei einem geführten Stadtrundgang mit Jiří Hofman wurden unterschiedliche Perspektiven auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt diskutiert. Anschließend besuchten die Studierenden die Kleine Festung Terezín und setzten sich mit ihrer historischen Bedeutung sowie der Rolle von Erinnerungskultur in der Gegenwart auseinander. Die Exkursion verdeutlichte, wie eng Fragen regionaler Identität, historischer Erfahrungen und gesellschaftlicher Entwicklung miteinander verbunden sind.
Den Abschluss des Exkursionstages bildete ein Aufenthalt in Litoměřice/Leitmeritz. Bei einem gemeinsamen Stadtrundgang erhielten die Teilnehmer:innen weitere Einblicke in die Region und hatten Gelegenheit, den persönlichen Austausch außerhalb der Seminarveranstaltungen fortzusetzen.
Am Samstag stand erneut die gemeinsame Projektarbeit im Mittelpunkt. Nach einer weiteren Phase des Brainstormings suchten die Studierenden im Rahmen der interaktiven Übung „Netz der Gemeinsamkeiten“ Verbindungen untereinander. Anschließend arbeiteten die deutsch-tschechischen Gruppen an ihren Projektideen weiter. Dabei vertieften sie die zuvor identifizierten Herausforderungen und diskutierten mögliche Ansatzpunkte sowie relevante Akteur:innen für die weitere Ausarbeitung ihrer Policy Paper.
Zum Abschluss des Workshops begaben sich die Teilnehmer:innen auf eine thematische Stadtführung durch Ústí nad Labem. Auf den Spuren der deutsch-tschechischen Beziehungen beschäftigten sie sich mit der gemeinsamen Geschichte der Stadt und den historischen Entwicklungen, die das Verhältnis zwischen beiden Ländern und die Identität.
Wir freuen uns auf das Wiedersehen beim abschließenden Workshop im November in Dresden!





